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Eine Stimme zur Unterstützung der Gedemütigten

In der Tradition der Tage für Kuba folgte in diesem Jahr eine neue Aktion mit dem Titel „Wir geben den Gedemütigten eine Stimme“.

Am Donnerstag, den 21. März 2019, versammelten sich am späten Nachmittag am Prager Mahnmal für die Opfer des Kommunismus, Dutzende von Menschen, um mit ihrer Stimme, ihrem Gebet und in stillem Gedenken die sog. Gewissensgefangenen zu unterstützen. Dieser Begriff wird allgemein für Männer und Frauen gebraucht, deren Gewissen ihnen nicht erlaubt zu schweigen und sich der staatlichen Politik zu unterwerfen, die laut ihre Meinung sagen und ihren Glauben bekennen, und dafür mit Gefängnis bestraft werden.

Zu Beginn sprachen der emeritierte Synodalsenior der EKBB, Joel Ruml, und der ehemalige Kulturminister der Tschechischen Republik, Daniel Hermann. Musikalisch wurden die einführenden Worte vom Posaunenchor Consonare umrahmt. In seiner kurzen Ansprache brachte Daniel Hermann in Erinnerung: „Vor 30 Jahren hat die tschechische Gesellschaft die Freiheit erlangt. Die Freiheit gewährt einen bestimmten Raum und es liegt nur an uns, wie wir ihn ausfüllen. Ob wir uns miteinander verbinden und diesen Raum mit positiven, konstruktiven und guten Beziehungen und Taten ausfüllen. Es gibt immer noch viele Orte auf der Welt, wo es keine Freiheit gibt. Denken wir an Nordkorea, China oder Venezuela.“

Vom Denkmal am Fuße des Laurenzi-Berges machten sich die Versammelten auf den Weg über die Karlsbrücke in Richtung Václav-Havel Bibliothek, mit weißen Luftballons und Schirmen, in Erinnerung an die „Damen in Weiß“ auf Kuba. An den einzelnen Stationen des Marsches erinnerten sich die Teilnehmenden an zehn Gewissensgefangene aus der ganzen Welt. Der zehnte Name, obwohl vorbereitet, erklang nicht unter den anderen Namen, denn der Gefangene aus Aserbaidschan war gerade in diesen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden. „Auch dank solcher Aktionen wie dieser“ sagte Joel Ruml. „Es hat Sinn, das sehen wir jetzt alle“ fügte er hinzu.

„Das Ziel des Marsches war die Václav Havel Bibliothek, wo um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema Menschenrechte in der Welt begann. Wir haben uns sehr über die tollen Podiumsteilnehmer gefreut. Auch Außenminister Tomáš Petříček hatte sein Interesse an der Aktion zum Ausdruck gebracht, aber wegen seines überfüllten Terminkalenders musste er seine Teilnahme dann doch absagen. Sein Interesse betrachten wir als ein gutes Signal, dass das Thema der Einhaltung der Menschenrechte wieder ein untrennbarer Bestandteil unserer außenpolitischen Beziehungen wird, was sehr positiv ist,“ bemerkte die Leiterin der Kommission für Menschenrechte Jitka Klubalová.

Die Diskussion war sehr anregend. Ondřej Klimes vom Orientalischen Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik berichtete über die aktuelle Situation in China. Der Filmemacher aus Venezuela Valerio Mendoza arbeitet mit der Organisation „Mensch in Not“ zusammen, regelmäßig bildet er Journalisten aus und während des Abends vermittelte er einen Einblick in das aktuelle Geschehen in Venezuela im weiteren Kontext des lateinamerikanischen Kontinents. Der Reporter der Zeitung „Hospodářské noviny“ (Wirtschaftszeitung) Ondřej Soukup erweiterte die Skala der problematischen Regionen um Russland. Im Synodalrat der EKBB widmet sich der Menschenrechtsproblematik der Stellvertreter des Synodalseniors Pavel Pokorný, der auch die Einladung zur Diskussion annahm. Die Debatte wurde von der Redakteurin des Tschechischen Rundfunks Plus Lucie Vopálenská moderiert.

(Übersetzung: Gerhard Frey-Reininghaus)

20.05.2019, 14:45