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Ökumenisches Gedenken an Jan Palach

Ökumenisches Gedenken an Jan Palach - Genau vor 50 Jahren hat sich am Wenzels Platz der junge evangelische Student der Philosophie Jan Palach verbrannt.

Am Mittwoch, dem 16. Januar 2019, versammelten sich um 14.30 Uhr Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen in der Tschechischen Republik und der Tschechischen Bischofskonferenz am oberen Teil des Wenzelsplatzes in Prag zum gemeinsamen Gebet.

Genau vor 50 Jahren hat sich an diesem Ort der junge evangelische Student der Philosophie Jan Palach verbrannt. Er forderte, dass die Verbreitung sowjetischer Propaganda-Nachrichten sofort eingestellt wird und er versuchte mit seiner Tat die Bevölkerung aus der allgemeinen Lethargie und Resignation angesichts der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Warschauer Pakt Truppen aufzurütteln.

Die Jan Palach Woche wurde danach zum Symbol des inneren Widerstandes gegen die Unfreiheit. Jan Palach legte uns eine dringende Frage vor, die nicht unbeachtet bleiben konnte. Und bis heute ist es schwer, diese Frage zu beantworten.

Die Ansprache vom Synodalsenior der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und dem Vorsitzenden des Ökumenischen Rates der Kirchen in der Tschechischen Republik, Daniel Ženatý auf dem Wenzelsplatz:

„Jan Palach war ein Mensch wie wir. Für seine Tat war er mit nichts Außerordentlichem ausgestattet, mit dem nicht auch ein jeder von uns ausgestattet ist. Womit inspiriert uns Jan Palach?

Ich denke, dass er vor allem dadurch inspirierend wird, dass er sich nicht mit der wachsenden Gleichgültigkeit versöhnte. Dass er gegen sie mutig aufgestanden ist, allein, ohne dass er darüber jemanden abstimmen ließ, ob das richtig ist oder nicht.

Unsere Gleichgültigkeit, nicht der anderen, unsere Gleichgültigkeit schafft auch heute günstige Bedingungen für das Anzweifeln der Wahrheit, günstige Bedingungen für das Anzweifeln der Freiheit. Die Gleichgültigkeit bewirkt, dass wir Angst haben, uns für die Erniedrigung oder für das Leiden anderer zu interessieren. Und so öffnen sich die Türen für die, die diese Situationen normalisieren wollen. Also gleichschalten und beschneiden der anderen nach den eigenen Vorstellungen und Maßstäben.

Freunde, ich nehme an, dass jeder von uns insoweit eine ausreichende Ausstattung für das Leben hat, dass er sich der Gleichgültigkeit widersetzen kann.

Darin inspiriert uns Jan Palach auch im Januar des Jahres 2019.“

Wenzelsplatz in Prag, den 16. Januar 2019

18.01.2019, 17:55