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Jiří Otter

Nachruf auf ThDr. Jiří Otter

Pfarrer ThDr. Jiří Otter wurde im Jahr 1919 in Pilsen geboren. Seine erste Wirkungsstätte fand er als Diakon in Pilsen. Während des Krieges studierte er evangelische Theologie in geheimen Kursen. Das letzte Jahr des Krieges verbrachte er in Deutschland als politischer Gefangener. Danach studiere er nun offiziell an der Theologischen Fakultät. Er wirkte als Hilfsprediger in Bohuslavice nad Metují, war Vikar in Střítež nad Bečvou und in Marienbad. In den Jahren 1948 bis 1965 war er Pfarrer in Marienbad. Von 1952 bis 1965 war er gleichzeitig Senior des Westböhmischen Seniorats. Über dreißig Jahre wirkte er in der Kanzlei des Synodalrates, von 1972 bis 1984 als ihr leitender Sekretär. Aus dieser Zeit stammt sein Büchlein über die EKBB, das einen Einblick gibt in die Geschichte der Evangelischen von der Böhmischen Reformation bis ins 20. Jahrhundert. An der damaligen Theologischen Comenius-Fakultät lehrte er als Externist Englisch und Deutsch. Jiří Otter hat über Jahrzehnte die ökumenischen Beziehungen der EKBB wesentlich mitgeprägt. Ganz besonders lagen ihm die deutsch-tschechischen Beziehungen am Herzen. In mehreren Büchern, die in tschechischer und deutscher Sprache erschienen, widmete er sich der wechselvollen Geschichte der deutsch-tschechischen Beziehungen von den Anfängen bis in die Gegenwart. Im Jahr 2009 erschienen unter dem Titel „Hinter Gitter und Stacheldraht auch ein wenig anders“ seine Erinnerungen an die Zeit, die er in Gefängnissen und Lagern der Nazis verbringen musste. Dieses Büchlein wie alle seine anderen Bücher schrieb Jiří Otter als Beitrag zur Versöhnung zwischen Tschechen und Deutschen, die für ihn zur Lebensaufgabe wurde. Unzählige Gäste hat er durch das Prag der Böhmischen Reformation geführt. Seine Rundgänge durch Prag erschienen auch als Buch auf Tschechisch, Deutsch, Englisch und Koreanisch. Bis ins hohe Alter war Jiří Otter publizistisch tätig, nicht zuletzt mit seinen biblischen Studien und Übersetzungen. In seiner bescheidenen und selbstbewussten Art wurde er zu einem Zeugen des Evangeliums in seiner Kirche und weit darüber hinaus. Er starb am 2. Februar 2018 im Alter von 98 Jahren in Prag.

Gerhard Frey-Reininghaus

26.02.2018, 19:23