Servitus feiert in České Budějovice (Böhmisch Budweis) 10jähriges Bestehen

Die ökumenische Freiwilligenorganisation SERVITUS wurde im Mai 2003 von Vertretern evangelischer Kirchen, der jüdischen Gemeinde, der Caritas und der Diakonie gegründet. Im April diesen Jahres feiert sie also ihr zehnjähriges Bestehen, sowie zehn Jahre enge Zusammenarbeit mit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Nach České Budějovice kommen nicht nur gegenwärtige und ehemalige Freiwillige der letzten 10 Jahre, sondern auch Menschen, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren bei Sommerlagern von ASF engagiert haben und die beharrlich vernachlässigte jüdische Friedhöfe pflegen. Das Treffen in České Budějovice soll jedoch nicht nur ein Erinnern an die zurückliegenden Jahre und ein Treffen derer sein, die in Böhmen und Mähren ein Jahr ihres Lebens als Freiwillige verbracht haben.

Thematisch wollen wir uns der Frage widmen, welchen Einfluss die Familiengeschichte auf den Lebensweg der zweiten und dritten Generation, d.h. der Kinder und Enkel derer, die den 2. Weltkrieg erlebt haben, hat. Diese werden bald die einzigen Träger der Geschichten ihrer Eltern und Großeltern sein. Wir werden mit Nachkommen jüdischer Familien und Roma-Familien, der Enkelin einer Frau aus Lidice und dem Sohn eines ausgesiedelten Sudetendeutschen sprechen. Wir werden fragen: Wie kann es uns gelingen, die Erlebnisse der Überlebenden lebendig zu erhalten und sie an die nächsten Generationen weiterzugeben? Welche Auswirkungen haben die Erlebnisse aus der Zeit der deutschen Okkupation (und der Zeit nach ihr) auf das gegenwärtige Leben in Tschechien und Deutschland? Welchen Einfluss hat die Vergangenheit auf unsere gegenwärtigen Beziehungen? Und welche Konsequenzen für unser politisches und gesellschaftliches Handeln ziehen wir aus ihnen? Wie aktuell diese Fragen sind, hat die letzte Wahlkampfphase um das Präsidentenamt überraschend aufgezeigt. Wir wollen mit unserem Treffen unter dem Titel „Lebendige Geschichte – das Erinnern der zweiten und dritten Generation“ authentischen Geschichten und Diskussionen Raum geben. Wir erwarten keine einfachen Antworten, doch das ist auch nicht unser Ziel.

Im zweiten Teil des Programms wird es möglich sein, sich in Kleingruppen mit konkreten Initiativen und Themen wie dem Erhalt des jüdischen Friedhofs in der Gemeinde Drmoul, der Rolle von Lidice in der Erinnerung unseres Landes, einem ehemaligen deutschen Gut als Kulturzentrum im Grenzgebiet oder den Erzählungen verschiedener Generationen von Freiwilligen zu beschäftigen.

Am Sonntag beschließen wir das Treffen mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der evangelischen Gemeinde der EKBB von České Budějovice.


Stanislava Francesca Šimuniová
ASF-Landesbeauftragte in der Tschechischen Republik

27.03.2013, 13:20