8. 10. 2012

Deutsch-Tschechische Adornolektüre

Gleich zweimal kamen im Sommersemester 2012 Studierende und Dozierende des Lehrstuhls Philosophie der PTF Prag und des LS Systematische Theologie I (Dogmatik) der Friedrich-Alexander Universität Erlangen zusammen, um sich mit Theodor W. Adorno zu beschäftigen.

Vom 18. bis zum 20.5.2012 reiste eine Gruppe von Studenten um Jan Kranat, Dozent am Lehrstuhl Philosophie der PTF, nach Erlangen um sich dort, im Gespräch mit deutschen Studenten mit Schlüsseltexten Adornos zu beschäftigen. Wolfgang Schoberth, Universität Erlangen, eröffnete das Seminar mit einem Vortrag zu Adornos Biographie, der es ermöglichte, die später besprochenen Texte besser in den Gesamtkontext einzuordnen.

Am Samstag stand dann das Thema Bildung im Mittelpunkt der Betrachtungen. Nach einem Vortrag von Ingird Schoberth (Professorin für Religionspädagogik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) zum Thema „Theodor W. Adorno und die Bildung“ lasen die Teilnehmer kursorisch ausgewählte Teile des Textes „Der Begriff der Aufklärung“ von Adorno und Horkheimer. Besonders der Begriff der Halbbildung lag hier im Fokus der Betrachtungen. An diesem Begriff wurde dann auch gleich zu Beginn des zweiten Seminars, vom 8. bis 10.6.2012 in Prag, angeknüpft. Nachdem die Grundlagen für eine Beschäftigung mit Adorno gelegt waren, galt es nun das Seminar vor allem für den theologischen Kontext fruchtbar zu machen. Aussagen Adornos zu „Torquemada, Luther, Mohammed“ wurden genauso betrachtet wie die „Minima Moralia“ und Teile der Negativen Dialektik.

Das besondere dieses Seminars war wohl die Intensität der Diskussionen. Gespräche über das gehörte und gelesene gingen noch weit über das eigentliche Seminar hinaus. Besonders ist dabei hervorzuheben, dass nicht nur die Studenten des Erlanger und Prager Seminars so miteinander in Kontakt kamen, sondern durch Vermittlung von Jan Kranat und Vera Fritzova auch einige deutsche Erasmus-Studenten zum Seminar hinzustoßen konnten. So hatte die Beschäftigung mit Adorno nicht nur positive Auswirkungen auf die Freundschaft der Erlanger und Prager Theologischen Fakultät, auch die sonst leider viel zu selten bewusst gepflegte Bekanntschaft der Prager Studenten und den internationalen Studenten an der PTF wurde gestärkt.

Alles in allem freuen sich wohl fast alle Beteiligten auf eine Fortführung dieser Partnerschaft beim nächsten Seminar in zwei Jahren!

Ann-Sophie Huppers, Teilnehmerin