10. 9. 2012

Anregungen zu Leben und Tun der Christen in der Tschechischen Republik – Thesen von Želiv

Im Mai des vergangenen Jahres trafen sich Vertreter der Kirchen im Rahmen der Kommission für Satzungsfragen und zukünftige geistige Ausrichtung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Kloster Želiv, um über Anregungen für das Leben und Tun der christlichen Kirchen auf dem Gebiet der Tschechischen Republik zu beraten. Ergebnis des Gesprächs war die Formulierung der sogenannten Thesen von Želiv.

Diese Thesen sollen eine Art geistige Grundlage für die weitere Entwicklung der ökumenischen Bewegung werden. Der Text wurde auch auf der letzten Hauptversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im November 2011 angenommen. Unseren Gemeinden empfehlen wir, diese Thesen zu lesen und über sie auf Gemeindeebene und innerhalb der Ökumene vor Ort zu diskutieren.

Eines der konkreten Ergebnisse der Thesen von Želiv ist eine neue Rubrik auf der Internetseite des ÖRK, unter der in Form von Artikeln, Fotoreportagen oder Zeugnissen Beiträge zu ökumenischen Veranstaltungen in der ganzen Republik veröffentlicht werden.

Die Thesen von Želiv

Präambel

In der nachösterlichen frohen Zeit der Erscheinung des Herrn und in Erwartung des Pfingstfestes hat die Kommission einen Vorschlag zu geistigen Grundlagen unter dem Arbeitstitel „Thesen von Želiv“ ausgearbeitet.

1) Gemeinsam bekennen wir, dass wir im Heiligen Geist einander zuhören, uns gegenseitig hören (in der Verschiedenheit respektieren), die Bedürfnisse des anderen wahrnehmen und einander Gabe sein wollen.

2) Die im ÖRK verbundenen Kirchen verkünden die Worte und Werke Christi jede auf ihre Weise und doch gemeinsam (Einheit in der Verschiedenheit).

3) Wir glauben, dass Christus unser Grund ist, deshalb dürfen wir uns an unserer Vielfältigkeit freuen.

4) Im Bewusstsein, dass wir vom Vater durch Christus dazu berufen sind, eine Familie zu bilden, bekennen wir, dass einer Kirche, sofern sie allein bleibt, die Traditionen und der Reichtum der Geistesgaben der anderen Kirchen fehlen werden. Die anderen Kirchen wiederum werden ärmer um den Reichtum der Geistesgaben und die Traditionen dieser Kirche. Die Einheit in der Vielheit, auf die hin wir ausgerichtet sind, drückt den Reichtum des Evangeliums aus.

5) Gottes Liebe zu den Menschen ist Quelle unserer gegenseitigen Liebe.

6) Christi Opfer führt uns zur Verantwortung für die Welt und für den anderen.

7) Der Weg zum anderen ist ein Weg der Demut, für den uns Christus Werkzeuge und Mittel gibt.

8) Wir sind uns bewusst, dass die Einheit nicht in unserer Macht (Fähigkeit) steht. Die Kraft des Heiligen Geistes, um die wir im Gebet bitten, wird uns zu ihr führen.

Ergebnisse für die Praxis

Die Kommission empfiehlt:

1. Auf der Internetseite des ÖRK einen Link „Praktisches gemeinsames Leben der Kirchen in der Ökumene“ anzulegen, unter dem die einzelnen religiösen Gemeinden und Gemeinschaften ihre gemeinsamen Projekte weitergeben können (Artikel, Fotos, Zeugnisse).

2. Etwas gemeinsam tun:

- mit größerem Einsatz an bestehenden gemeinsamen Projekten wie dem „Gebet für die Heimat“, der „Allianz-Gebetswoche“, der „Woche der Gebete für die Einheit der Christen“ arbeiten

- die Zusammenarbeit der Militär-, Gefängnis- und Krankenhausseelsorger vertiefen und an der Vorbereitung von Polizeiseelsorgern mitarbeiten

- unter der Bevölkerung Angst und Vorurteile gegenüber den Kirchen durch geeignete Mission und Evangelisation abbauen

- im tschechischen Fernsehen und im tschechischen Rundfunk jeden Monat eine Sendung über Kirchen und christliches Leben vorbereiten

- empfehlen, dass jeden Monat eine Kirche einen Artikel für die Regionalausgaben der landesweiten Tageszeitungen zu verschiedenen Themen vorbereitet: zu Feiertagen, Aktivitäten der Kirchen für die Gesellschaft, Erwägungen zu aktuellen Themen, Porträts von Kirchenmitglieder usw. .

- sich am Projekt Wege des Glaubens (historische Wege) mit den Regionalen Aktionsgruppen beteiligen

- ein konkretes Projekt in der Dritten Welt realisieren oder unterstützen

- ein gemeinsames Unterrichtsprogramm Ökumenismus quer durch theologische Fakultäten und Berufsschulen vorschlagen