30.12.2015 21:27

Professor ThDr. Pavel Filipi

  Professor ThDr. Pavel Filipiverstarb in den frühen Morgenstunden des 28. Dezember 2015 im Alter von 79 Jahren in Prag. Pavel Filipi stammte aus einer Familie, die seit der Zeit des Toleranzpatents zu den Schriftgetreuen im Ort Telecíauf...
01.12.2015 15:47

Die Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder hat eine neue Führung. Sie möchte Hoffnung und Vertrauen auf die Zukunft bringen

  Während eines feierlichen Gottesdienstes wurde in Prag am Samstag, den 21. November, der neue Synodalrat der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) in ihr Amt eingeführt. Sie möchte an die Tradition der böhmischen und...
12.11.2015 16:46

Wir und die Migranten

  Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. (Hebräer 13,2)   Das große Thema der in diesem Jahr geführten öffentlichen Debatten sind die Flüchtlinge, Menschen, die aus den...
22.10.2015 15:42

Gemeinsame Erklärung des Synodalrates der EKBB und der Diakonie der EKBB zur Flüchtlingskrise

  An alle Gemeinden und Predigtstationen der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder Prag, den 9. Oktober 2015   Liebe Schwestern, liebe Brüder,   den vor Gewalt und Krieg flüchtenden Menschen muss man helfen. Davon...

Über den Verein Exulant

War die „Dunkle Zeit“ wirklich dunkel? Falls uns nur die Kultur interessiert, dann wohl nicht. Ich behaupte, dass die Mehrheit der Hörer Barockmusik zeitgenössischen Komponisten vorzieht. Wenn wir jedoch an Psalm 119: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Ps 119,105) denken, merken wir, woher die Inspiration zur Bezeichnung „Dunkle Zeit“ kam.

Nach der Schlacht auf dem Weißen Berg im November 1620 war es möglich, unser Land in die „große europäische Welt“ zurückzuführen und damit jenes „tschechische Ketzertum“ zu beenden, das die offizielle Hierarchie bereits seit Ende des 14. Jahrhunderts, seit der Zeit der Vorgänger der tschechischen Reformation, aufbrachte. Es beginnt eine Epoche der gewaltsamen Rekatholisierung, der geheimen Protestanten und Emigranten. An diese Zeit denken viele als an ein Geschehen, das ihre eigene Familie betrifft, denn ihre Vorfahren zogen lieber „in die Welt hinaus“, dorthin, wo sie hofften, protestantische Predigten hören zu können. 1781 gab Joseph II. zwar das Toleranzpatent heraus, die Emigranten jedoch blieben größtenteils im Exil. Grund für die Herausgabe des Patents war übrigens das Bestreben, den weiteren Weggang von Protestanten und die damit verbundene Schwächung des österreichischen Witrschaftssystems aufzuhalten. Einigen Schätzungen zufolge verließen zwischen 1620 und 1781 etwa 500 000 Menschen das Land. Zu großen Reemigrations-Wellen, bei denen die Nachkommen der Emigranten in das „Land der Väter“ zurückkehrten, kam es erst in der Zeit der Ersten Republik und vor allem nach dem 2. Weltkrieg.

Im September des Jahres 1993 fand in der Prager EKBB-Gemeinde Salvator zum Thema „Rückkehr ins Land der Väter“ ein erstes Treffen von Nachkommen derer, die nach der Schlacht auf dem Weißen Berg das Exil wählten, statt. Der damalige Präsident Václav Havel empfing auf der Prager Burg Vertreter des Treffens. Im darauffolgenden Monat fand eine Fahrt mit mehreren Bussen in die polnische Stadt Zelow statt, einen bedeutenden Fluchtort der Emigranten. Dies ging der offiziellen Entstehung des Vereins Exulant im Jahre 1995 voraus, dessen Aufgabe es ist, die Zusammenarbeit zwischen den Reemigranten und mit Orten, wohin jene Emigranten einst gekommen sind und wo bis heute ihre Nachkommen leben, zu erhalten und zu entfalten. Im Juni 2003 fand im polnischen Zelow anlässlich des 200. Jahrestages der Stadtgründung ein internationaler Kongress von Nachkommen der Emigranten statt. Vor zehn Jahren wirkte dort das Pfarrehepaar Jelinek, das seit Herbst 2010 in Ratiboř und Kateřinice im Vsetiner Land arbeitet. Sie gehören also zu den letzten Reemigranten.

 

Gegenwärtig hat der Verein Exulant 400 Mitglieder. Erster Vorsitzender wurde Prof. Ing. Karel Matějka, Csc., Professor der Kernphysik und des physikalischen Ingenieurswesens an der ČVUT, in den Jahren 2004-2012 hatte der emeritierte Synodalsenior Mgr. Pavel Smetana den Vorsitz inne und gegenwärtig Mgr. Jan Bistranin, Jurist und in den Jahren 1992-1999 Prediger der Brüderunität der Baptisten in Liberec.

 

Exulant gibt vor allem Bücher zum Exil nach der Schlacht auf dem Weißen Berg heraus, „Stammautorin“ ist PhDr. Edita Štěříková. Des weiteren bearbeitet Exulant systematisch genealogische Daten, organisiert Reisen innerhalb unserer Republik und ins Ausland; in den letzten Jahren waren wir in Konstanz, Genf, Lešná, Naarden und in der Ukraine. An verschiedenen Orten der Republik werden Konferenzen ausgerichtet, zuletzt im Herbst vergangenen Jahres in Teplitz. Am 8. Juni diesen Jahres fand eine Veranstaltung „Bibel im Leben der Kirche“ in der Prager Salvatorgemeinde statt – so wie vor 20 Jahren.

Wenn Sie in einem der spannenden Bücher über die tschechischen und mährischen Emigranten lesen, merken Sie, dass es ihnen eigentlich nur darum ging, eine eigene Gemeinde, ein Einkommen und einen Prediger zu haben, der möglichst auf tschechisch predigt. Die Wirklichkeit freilich sah anders aus, angefangen von der Verachtung durch die einheimische Bevölkerung (obwohl doch alle im selben protestantischen Boot saßen), bis zu den leeren Versprechungen der Landesherren. Viele Emigranten lebten in Armut und bekamen keinen Prediger. War es das wert, dafür sein Land, einen Teil der Familie, Freunde und Besitz zu verlassen?

Das ist eine Frage, auf die sich nur in einer ähnlichen Situation eine glaubwürdige Antwort finden lässt. Jetzt können wir nur hinzufügen, dass die Erfahrung der harten Verfolgung eines Teils der Christen, bei den anderen das unerlässliche Konzept der Toleranz bestärkt hat, das glücklicherweise auch unsere atheistische Gesellschaft nachahmt.

 

Pavel Čáp

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